Glück im Unglück

Retrofit und Reparatur nach Auffahrunfall

Es begann mit einem Unglücksfall. Im Jahr 2018 wurde die kompakte Stopfmaschine 08-16/ 90 der Firma Scheuchzer durch einen Auffahrunfall derart stark beschädigt, dass man die Maschine zur Verschrottung freigeben wollte. Dann war dieser Anruf bei der Deutschen Plasser, der alles änderte. Jetzt steht die Maschine im Instandhaltungswerk Leverkusen-Opladen und wird nicht nur repariert, sondern auch einem vollständigen Retrofit unterzogen.

Stopfmaschinen wie die 08-16/90 werden bei vielen Gleisbauunternehmen hochgeschätzt. Auch Scheuchzer verfügt über vier dieser kompakten Maschinen und setzt sie seit Jahrzehnten mit großem Erfolg für Projekte in der Schweiz ein. Eine der Maschinen wurde 2018 allerdings bei einem Auffahrunfall schwer beschädigt, und auf den ersten Blick schien das Ausmaß der Schäden keine andere Alternative zuzulassen, als die Maschine zu verschrotten. Um das Thema abzuschließen, nahm man mit der Deutschen Plasser Kontakt wegen eines Unfallgutachtens auf. Damit bekam die Geschichte jedoch einen vollkommen neuen Verlauf.

Reparatur und Retrofit anstatt Verschrottung

Womit man bei Scheuchzer nämlich nicht gerechnet hatte, war die Möglichkeit, die Maschine reparieren und dabei auch gleich modernisieren zu lassen. Noch bei der InnoTrans 2018 fand ein erstes Gespräch zwischen Scheuchzer und der Deutschen Plasser statt. Dabei wurde klar, dass Scheuchzer sehr wohl in Betracht zog, eine neue Maschine anzuschaffen. Der entscheidende Punkt war allerdings, dass die 08-16/90 ideale Voraussetzungen für bestimmte Einsätze in der Schweiz mitbringt und baugleiche Maschinen nicht mehr produziert werden. Reparatur und Retrofit eröffneten also die Chance, die bewährte Maschine – Baujahr 1993! – weiterhin in Betrieb zu halten.

Die große Herausforderung des Projekts ergab sich aus der Kundenvorgabe, einen Caterpillar-Motor der neuesten Generation zu verwenden. Dabei handelt es sich um einen extrem leistungsstarken Kleinmotor, der über genügend Power für den Antrieb der Maschine verfügt und noch dazu alle aktuellen ökologischen Auflagen erfüllt. Darüber hinaus sollte das alte Stopfaggregat ersetzt, zusätzlich ein Hebe- und Richtaggregat eingebaut und die Hydraulikanlage so umgebaut werden, dass das Förderband im Anhänger entsprechend dem Kundenwunsch in Betrieb genommen werden kann. Ebenfalls mit großem Aufwand verbunden ist die Neukonstruktion des Hauptrahmens, der den ursprünglichen Rahmen ersetzen wird.

Im April 2019 ging der gesamte Anforderungskatalog zu Plasser & Theurer nach Linz, wo gerade in diesem Jahr eine eigene Konstruktionsabteilung speziell für Retrofit-Projekte gegründet wurde. Bereits im Juni 2019 lagen sämtliche technischen Unterlagen für den Umbau der 08-18/90 vor. Eine extrem kurze Zeit angesichts dessen, dass rund 85 % der Maschine neu konstruiert und das Gewichtsproblem aufgrund des neuen Motors und der neuen Aggregatausstattung gelöst werden mussten. Ganz abgesehen davon, dass wohl kein anderer Anbieter über das technische Know-how verfügt hätte, ein Retrofit dieses Ausmaßes bei einer Maschine dieses Alters zustande zu bringen.

Eine Frage der Wirtschaftlichkeit

Im Januar 2020 konnte die Deutsche Plasser schließlich das finale Angebot stellen. Das Auftragsvolumen entspricht in etwa 50 % des Anschaffungspreises einer gleichwertigen Neumaschine. Seit April 2020 steht die Maschine nun im Instandhaltungswerk Leverkusen-Opladen.

Bei Scheuchzer ist man jedenfalls froh darüber, die eigene Maschine in der Zukunft überhaupt wieder in Betrieb nehmen zu können. Wir werden Sie über die Fortschritte weiter informieren.