Interview mit Christian Greifelt

Christian Greifelt ist seit Juli 2019 bei der Deutschen Plasser und nimmt in unserem Instandhaltungswerk Leverkusen-Opladen und für die Werkstatt München die Position der verantwortlichen Schweißaufsichtsperson ein. Er ist darüber hinaus Mitarbeiter der Abteilung Qualitätsmanagement & Compliance und als solcher auch für das Qualitätsmanagement im Werk zuständig. Wir haben mit ihm gesprochen, um mehr über seine Eindrücke aus dem ersten Jahr und seine Pläne für die Zukunft zu erfahren.

Danke, dass Sie sich Zeit für uns nehmen. Sie sind seit etwas mehr als einem Jahr als Schweißfachingenieur bei der Deutschen Plasser, sind aber auch für das Qualitätsmanagement in Leverkusen-Opladen zuständig. Bevor wir uns damit näher beschäftigen, möchten wir Sie gerne unseren Leser/-innen näher vorstellen.

Sehr gerne. Ich absolvierte eine Ausbildung zum Technischen Zeichner, studierte im Anschluss berufsbegleitend Maschinenbau in der Fachrichtung Konstruktion an der Hochschule Bochum und schloss eine Weiterbildung als Schweißfachingenieur an der SLV Duisburg ab. Darüber hinaus verfüge ich über den Sichtprüferschein für Schweißnähte und die Abnahmeberechtigung für Schweißer- und Bedienerprüfungen.

Meine erste berufliche Station war ein Ingenieurbüro, bei dem ich im Bereich der 3D-Konstruktion gearbeitet habe. Danach wechselte ich als Projektleiter für Kranbau und Lastaufnahmemittel zu einem Kranhersteller, wo ich bald auch die Verantwortung der Schweißaufsicht übernahm. Seit Juli 2019 bin ich nunmehr bei der Deutschen Plasser in Leverkusen-Opladen.

Was hat Sie an der Deutschen Plasser besonders gereizt? Warum wollten Sie hier arbeiten?

Mir gefällt, dass es sich bei den Maschinen um keine Serienfertigung handelt, sondern diese vielmehr in hohem Maße an den Bedürfnissen der Kunden orientiert sind. Die Technik ist dementsprechend breit aufgestellt und deckt nahezu alle gängigen Disziplinen des Maschinenbaus an einer Maschine ab. Unmittelbarer Auslöser war letztlich der Besuch des Instandhaltungswerkes im Rahmen der „Nacht der Technik“ im März 2019. Mir war von da an klar, dass ich da unbedingt mitarbeiten möchte.

Was umfasst Ihr Aufgabengebiet?

Das ist vor allem die Verantwortung für die Schweißtechnik im Rahmen der mir gegebenen Möglichkeiten. Darüber hinaus natürlich auch die Erfüllung und Dokumentation aller in den anwendbaren Normen definierten Anforderungen an die Schweißtechnik. Hier ergeben sich Schnittpunkte zum Qualitätsmanagement und meine teilweise Zuordnung zu dieser Abteilung – inkl. der Verantwortung, Maßnahmen zu setzen und Prozesse zu definieren, damit alle entsprechenden Vorgaben auch problemlos erfüllt werden können. Des Weiteren arbeite ich eng mit der Werksleitung zusammen, um QM-Werkzeuge im Werk zu implementieren.

Bleiben wir bei der Schweißtechnik. Sie sind für die zerstörungsfreie Prüfung bei der Deutschen Plasser verantwortlich. Was bedeutet dies und wie läuft diese Prüfung ab?

Ich bin für die zerstörungsfreie Prüfung im Bereich von uns hergestellter Schweißnähte verantwortlich. Je nach Einstufung des Bauteils findet eine Sichtprüfung oder eine erweiterte Prüfung statt, zum Beispiel eine Magnetpulverprüfung oder eine Farbeindringprüfung. Die Sichtprüfung bildet dabei das wichtigste Prüfverfahren. Auch müssen Schweißnähte abgenommen werden, bevor die Zugänglichkeit verbaut wird, das ist die sogenannte „Abnahme verdeckter Nähte“.

Grundsätzlich wird das Vorhandensein der Schweißnaht, deren richtige Ausführung und Größe geprüft. Je nach Prüfaufwand werden 100 mm der vermeintlich schlechtesten Schweißnaht einer genaueren Sichtprüfung unterzogen. Zudem muss je nach Gegebenheit eine Wartezeit zwischen Schweißen und Prüfen vorliegen, da Risse prozessbedingt erst nach einigen Stunden auftreten können.

Als erweitertes Prüfverfahren setzen wir, wie erwähnt, unter anderem die Magnetpulverprüfung ein. Das ist ein Oberflächenprüfverfahren, mit welchem man Risse in der Oberfläche detektieren kann.

Es gibt aber auch noch weitere Bereiche bei denen die zerstörungsfreie Prüfung zum Einsatz kommt, oder?

Ja, der weitaus größere Bereich ist die zerstörungsfreie Prüfung im Rahmen von Fristen, Revisionen oder nach Unfällen. Dies fällt nicht in meinen Aufgabenbereich. Hier gilt es zum Beispiel, Räder und Radsatzwellen, Zug- und Stoßeinrichtungen oder Drehgestell- und Fahrgestellrahmen zu prüfen.

Diese Tätigkeit wird über einen externen Dienstleister, der im Bereich Bahn qualifiziert ist, abgedeckt. Die externe Prüfaufsicht ist bereits aktiv. Das ist eine Person, die sich sowohl um unser Instandhaltungswerk in Leverkusen-Opladen als auch um die Zentrale in München kümmert. So stellen wir eine durchgängige Linie in der Aufsicht sicher.

Ist es denn geplant diese Aufgaben zukünftig selbst abzudecken?

Ja, dies soll möglichst rasch intern abgedeckt werden. Wir arbeiten auch hier eng mit dem externen Dienstleister zusammen. Dieser unterstützt uns und gibt uns die Möglichkeit, von seinen praktischen Erfahrungen zu profitieren. Dieser Partner wird uns auch dann erhalten bleiben, wenn wir die Prüfaufsicht übernehmen, da gesetzlich eine Überwachung vorgeschrieben ist und wir hier weiter kooperieren werden.

Wie sieht der Zeitplan für die Schaffung der internen Qualifikationen aus?

Ab sofort, die ersten Schulungen sind bereits angemeldet. Derzeit können viele Weiterbildungsträger nicht die volle Kapazität an Teilnehmern anbieten, da die Corona-bedingten Abstandsregeln eingehalten werden müssen. Es ist schon dazu gekommen, dass Schulungen ausgefallen bzw. verschoben wurden. Das Ziel für das IHW Leverkusen ist, dass wir acht Personen für die Sichtprüfung qualifizieren und drei Personen, die künftig Magnetpulver- und Farbeindringprüfungen abwickeln können. In den nächsten zwei Jahren wollen wir uns entsprechend weiterbilden und qualifizieren.

Helfen Sie uns, das alles richtig einzuordnen: warum sind diese Prüfungen so wichtig?

Diese Prüfungen liefern wichtige Informationen zum Zustand und der Qualität von Bauteilen. Anhand von Zulässigkeitskriterien kann bewertet werden, ob ein Bauteil den gewünschten Anforderungen entspricht, ob es nachgearbeitet werden kann oder Ausschuss ist. Die Gebrauchstauglichkeit der geprüften Bauteile wird durch die zerstörungsfreie Prüfung nicht beeinflusst.

Mit Inkrafttreten der ECM-Richtline wird eine zertifizierte Prüfwerkstatt gefordert. Die rechtlichen Grundlagen haben sich nicht grundlegend geändert, nur wird deren Umsetzung jetzt stärker eingefordert.

Aus- und Weiterbildung ist generell ein wichtiges Thema. Gerade beim Schweißen werden besondere Anforderungen an die ausführenden Personen gestellt, oder?

Das ist richtig. Ein Schweißer muss alle drei Jahre in einer Prüfung sein Können beweisen. Aufgrund meiner Ausbildung bin ich berechtigt, diese Prüfungen abzunehmen. Darüber hinaus muss alle sechs Monate bestätigt werden, dass er aktiv geschweißt hat. Auch dafür bin ich zuständig.

 

Herzlichen Dank für das Gespräch!

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