Eine neue Ära hat begonnen

Sven Peters ist seit Anfang 2018 Leiter im Instandhaltungswerk Leverkusen-Opladen. Um seine Vision des Werks umzusetzen, müsste er die Belegschaft deutlich aufstocken. Ein ambitioniertes Ziel. Angesichts der Rahmenbedingungen und der bereits gesetzten Maßnahmen aber ein Ziel, das zu erreichen durchaus realistisch scheint. Wir haben mit Sven Peters über die Gegenwart und Zukunft des Werks gesprochen.

Herr Peters, Sie sind jetzt seit rund zehn Monaten mit der Leitung des Instandhaltungswerks Leverkusen-Opladen betraut. Welche Schwerpunkte haben Sie bisher gesetzt?

Zunächst einmal möchte ich feststellen, dass ich ein Werk übernommen habe, dass sich seit der Eröffnung kontinuierlich weiterentwickelt hat. In dieser Zeit gab es zwar keine riesigen Sprünge, aber innerhalb der acht Jahre ist die Zahl der Mitarbeiter von rund 20 doch auf 40 zum heutigen Stand gestiegen. Die 7 Auszubildenden rechne ich da jetzt gar nicht dazu. Das heißt, wir haben eine Größe erreicht, die eine strukturelle Neuordnung erforderlich gemacht hat.

Was heißt das konkret?

Zum Beispiel, dass wir von der Idee abgehen, jeder Mitarbeiter müsste praktisch alles können. Bei der heutigen Größenordnung ist das nicht mehr möglich. Wir brauchen nun vermehrt Spezialisten mit dem Fachwissen für definierte Bereiche. Noch wichtiger sind aber unsere Abläufe und unsere Organisation. Wir haben in diesem Jahr sehr viel Energie in die Schaffung optimierter Strukturen gesteckt. Das Organigramm des Werks hat sich vollkommen verändert.

Nach welchen Kriterien sind Sie da vorgegangen?

Der Teamgedanke war entscheidend. Wir haben jetzt mit Herrn Brandt und Herrn Grewe zwei Teamleiter, die auf jeweils drei Teams mit ca. fünf Mitarbeitern zugreifen können. Je nach der Größe des Auftrags kommt eine bestimmte Anzahl von Teams zum Einsatz. Die ersten Erfahrungen zeigen, dass wir mit dem neuen System deutlich effizienter unterwegs sind.

Kurze Zwischenfrage: Ergibt sich daraus auch ein Vorteil für unsere Kunden?

Sogar ein ganz wichtiger: Wir können unseren Kunden jetzt einen Ansprechpartner bieten, der jederzeit für alle Belange – technische genauso wie organisatorische – zur Verfügung steht. Das macht die Kommunikation für den Kunden wesentlich einfacher und klarer.

Wenn Sie das Gesamtpaket der geplanten Strukturänderungen betrachten, wie viel haben Sie bereits umgesetzt?

Wir liegen gegen Ende des Jahres bei 85 %. Im nächsten Jahr können wir uns bereits mit dem Feintuning beschäftigen.

Bleiben wir noch kurz beim schon Geschafften. Mitte des Jahres gab es ja das Wiederholungsaudit für das ECM-Zertifikat. Welche Bedeutung hat die Auszeichnung für das Werk?

Wenn man sieht, dass die Deutsche Bahn gerade dabei ist, das Thema ECM massiv in Angriff zu nehmen, dann bestätigt das unsere Voraussicht. Man kann davon ausgehen, dass die gesamte Gleisbaubranche das Thema ebenfalls sehr bald sehr ernst nehmen wird. Schließlich geht es ja um die Rechtssicherheit. Wir haben seit 2016 das Zertifikat für die 4. ECM-Funktion, also die Erbringung von Instandhaltungsleistungen, und sind heute auf einem guten Stand. Ich kann Ihnen nur sagen, dass die Auditoren begeistert über die Transparenz und die Prozesse waren, mit denen wir bereits arbeiten. Wir sind bereit.

Was heißt das konkret?

Da geht es zum Beispiel um die ersten Früchte unserer Digitalisierungs-Kampagne. Wir haben zum Beispiel ein elektronisches Infoboard installiert, auf das alle zugreifen können, die an einem Projekt arbeiten. Damit sind alle Beteiligten laufend auf dem neuesten Stand und können sämtliche Informationen abrufen, die sie gerade benötigen. Zusätzlich haben wir auch das „Schwarze Brett“ digitalisiert. Auf zwei Monitoren gibt es dadurch laufend Just-in-time-Infos für alle Mitarbeiter.

Machen wir einen Blick in die nächste Zukunft. Mit welcher Auslastung rechnen Sie im kommenden Winter?

Ich würde sagen, wir sind praktisch voll. Abgesehen von kleineren Reparaturen können wir erst ab April 2019 wieder Aufträge annehmen. Was mich aber noch glücklicher macht: Mittlerweile läuft auch schon die Planung für den Winter 2019/20.

Wie ist das möglich?

Unsere Umstellung auf eine längerfristige Planung beginnt zu greifen. Wir gehen damit seit kurzem aktiv auf unsere Kunden zu und bekommen ein absolut positives Feedback. Meiner Meinung ist das gar nicht so erstaunlich, denn wer in unserer Branche braucht schon Überraschungen?

Wie meinen Sie das?

Ganz einfach, nehmen Sie den Fall, dass eine Maschine zur Revision hereinkommt und wir feststellen müssen, dass eine bestimmte Komponente ausgetauscht werden muss. Nicht alle Ersatzteile sind aber jederzeit verfügbar. So kann es passieren, dass die Maschine statt vier Wochen plötzlich vier Monate außer Betrieb steht. Eine äußerst unangenehme Situation für den Betreiber. Um das zu vermeiden, gehen wir jetzt dazu über, den Kontakt mit den Kunden zu intensivieren, um den Zustand der Maschinen besser im Auge zu behalten. Dadurch lassen sich kommende Reparaturen früher erkennen, sie werden also planbarer. Konkret: Wenn wir wissen, dass ein Radsatz bei der nächsten Revision ausgetauscht werden muss, dann steht er rechtzeitig bereit. Wir sehen jedenfalls, dass viele Kunden gerne bereit sind – im Sinne der eigenen Planungssicherheit, längerfristig zu denken.

Okay, Langfristigkeit ist also eines der zentralen Themen für die Zukunft des Werks. Wie sieht es aber mit dem Tagegeschäft aus, also kurzfristige Reparaturen? Welche Strategie verfolgen Sie in diesem Bereich?

Gute Frage, natürlich sind wir auch in diesem Punkt gefragt! Wir verlieren das Thema bestimmt nicht aus den Augen. Ganz im Gegenteil schaffen wir durch die neue Organisation gerade die kurzfristig verfügbaren Kapazitäten, mit denen wir schnell reagieren können. Meine Devise ist es ja, Leistungen wie Revisionen oder Upgrades möglichst langfristig planbar zu machen und gerade dadurch die Kapazitäten frei zu bekommen, die wir für den schnellen Service benötigen.

Höre ich da gleichzeitig aber auch, dass Sie daran denken, größere Kapazitäten aufzubauen?

Das ist der Plan, ganz klar. Auf Basis des heutigen Organigramms kann ich bereits sagen, an welchen Positionen wir noch Personal benötigen. In den kommenden Jahren werden wir diese Positionen Schritt für Schritt neu besetzen. Ziel ist es, die räumlichen Gegebenheiten des Werks gut auszuschöpfen.

Danke für das Gespräch!