Eine besondere Mission

Dietmar Seybold ist seit 1998 bei der Deutschen Plasser, anfänglich als Servicetechniker, seit ein paar Jahren nun im Innendienst des Technischen Vertriebs. Seit Ende des Jahres 2020 unterstützt er in unserem Instandhaltungswerk in Leverkusen-Opladen das Team, das das Retrofit an der Stopfmaschine 08-16/90 der Firma Scheuchzer durchführt. Wir haben mit ihm über dieses Projekt und den Reiz eines Retrofits gesprochen.

Vielen Dank, dass Sie sich Zeit für uns nehmen. Sie sind ja schon viele Jahre bei der Deutschen Plasser und kümmern sich aktuell vor allem um das Retrofit-Projekt für die 08-16/90. Bevor wir uns darüber unterhalten, möchten wir Sie gerne unseren Leser/-innen näher vorstellen.

Ich habe ursprünglich eine Lehre als KFZ-Mechaniker absolviert und nach deren Abschluss auch zwei Jahre in diesem Beruf gearbeitet. Danach ging ich zu einer Bahnbaufirma, wo ich verschiedene Aufgaben hatte, vor allem als Vorwagenbediener und Stopfer auf den Gleisstopfmaschinen 09-32 CSM und Plassermatic 08-275-3S. Dort war ich zuletzt auch Vorarbeiter. Im Jahr 1998 wechselte ich zur Deutschen Plasser und war viele Jahre als Servicetechniker im Außendienst. 2017 ging es in den Innendienst, zum Technischen Vertrieb, und seither unterstütze ich unsere Servicetechniker in verschiedenster Form, z.B. im Bereitstellen von Plänen, in der Recherche von Informationen, in der technischen Unterstützung und vielem mehr. Seit Ende 2020 bin ich im Rahmen dieser Funktion in Leverkusen-Opladen tätig und unterstütze das Team, das am Retrofit der 08-16/90 der Firma Scheuchzer arbeitet.

Sie verfügen also über ein großes Fachwissen und langjährige Erfahrung mit den Maschinen. Wo sehen Sie Ihre Stärken?

Ich denke, dass ich sehr gut eigenverantwortlich arbeiten kann und sehr gewissenhaft, zuverlässig und zielstrebig bin. In all meinen Positionen konnte ich eigentlich noch jedes Problem lösen, oftmals allein oder ich wusste, wo ich mir Hilfe holen konnte. Sei es bei den Kollegen im Unternehmen oder etwa in Linz bei Plasser & Theurer. Dadurch verfüge ich auch über sehr gute Kontakte nach Linz, was mir gerade bei diesem Retrofit-Projekt sehr zugute kommt.

Bevor wir dazu kommen: Was gefällt Ihnen an der Arbeit bei der Deutschen Plasser?

Da gibt es vieles. Es ist eine interessante und abwechslungsreiche Aufgabe und vor allem technisch eine sehr anspruchsvolle Tätigkeit. Darüber hinaus schätze ich das große Vertrauen, dass das Unternehmen seinen Mitarbeiter/-innen entgegenbringt und die daraus folgende Eigenständigkeit und Eigenverantwortung. Das motiviert mich sehr. Außerdem schätze ich die große Kollegialität und wechselseitige Unterstützung im Team. Wenn man mal nicht weiter weiß, sind die Kollegen immer für einen da und helfen mit, gemeinsam eine Lösung zu finden.

Sie haben zuvor erwähnt, dass Sie seit Ende 2020 das aktuelle Retrofit-Projekt unterstützen. Wie kam es dazu?

Ich war durch meine Tätigkeit im Technischen Vertrieb sehr eng in die Angebotserstellung eingebunden und daher sehr genau mit der Maschine, ihrem Ausgangszustand und den Kundenwünschen vertraut. Es machte daher Sinn, das für die Umsetzung zuständige Team im Instandhaltungswerk direkt vor Ort zu unterstützen.

Das Retrofit dieser Stopfmaschine scheint ja ein sehr reizvolles Projekt zu sein. Wie geht die Arbeit voran?

Im Großen und Ganzen sehr gut und zügig. Das Zerlegen der Maschine funktionierte reibungslos, bei der Montage gab es die eine oder andere Herausforderung, die wir aber – auch dank Unterstützung von Plasser & Theurer – rasch lösen konnten. Wir kommen gut voran!

In welcher Form wird bei diesem Projekt mit Plasser & Theurer kooperiert?

Grundsätzlich ist Plasser & Theurer der Hersteller der Maschine und kennt sie daher dementsprechend gut. Durch unsere engen Beziehungen profitieren wir von dieser Maschinenkenntnis und haben auch Zugriff auf die Maschinenzeichnungen. Das hat uns schon in der Angebotsphase sehr geholfen, um gemeinsam mit dem Kunden die Anforderungen an das Projekt klar zu definieren. Auch bei der Umsetzung stehen wir in engem und ständigem Kontakt mit der Konstruktion in Linz. Für das Projekt selbst erhalten wir natürlich viele Teile aus Linz, bis hin zu einem neuen Maschinenrahmen, der dort geschweißt wurde.

Gab es auch konstruktive Unterstützung durch Plasser & Theurer?

Ja, die gab es. So entschied sich die Firma Scheuchzer unter anderem dafür, einen neuen Motor von Caterpillar einbauen zu lassen. Da dieser schwerer ist als der ursprüngliche Motor, mussten wir einzelne Maschinenkomponenten neu platzieren, um die zulässigen Achslasten nicht zu überschreiten. Außerdem wollte der Kunde seine Matisa Stopfaggregate durch Plasser & Theurer Aggregate ersetzen. Auch dies, und noch vieles mehr, hat die Konstruktion in Linz erarbeitet.

Ist die Arbeit an einem Retrofit anders als bei einer „normalen“ Instandhaltung oder Reparatur?

Auf jeden Fall. Bei Instandhaltungen oder Reparaturen bleibt die betroffene Maschine in ihrer jeweiligen Ausführung erhalten und es werden nur die jeweils vorgeschriebenen oder notwendigen Arbeiten durchgeführt. Bei einem Retrofit wird die Maschine jedoch, soweit wie vom Kunden gewünscht, auf den neuesten Stand der Technik gebracht. Es wird also die Maschine als solches, zum Teil sehr deutlich, verändert und das hat entsprechende Auswirkungen auf die auszuführenden Arbeiten. Diese werden dadurch noch anspruchsvoller.

Gibt es besondere Herausforderungen bei einem Retrofit, die es bei anderen Projekten nicht gibt?

Eine der größten Herausforderungen ist, dass die Zulassung der Maschine erhalten bleiben muss. Das ist aber gleichzeitig auch einer der ganz großen Vorteile eines Retrofit, denn so kann die Maschine nach Abschluss der Arbeiten gleich wieder in Einsatz gehen, ohne langwierige Zulassungsverfahren durchlaufen zu müssen.

Dieser Anspruch bedeutet aber, dass sich alle Modernisierungen im Rahmen der bestehenden Zulassung bewegen müssen, zum Beispiel in Bezug auf die Achslasten. Wenn jetzt wie bei der Maschine der Firma Scheuchzer ein schwererer Motor als bisher eingebaut wird, müssen andere Komponenten versetzt und größere Räder eingebaut werden, um die Vorgaben zu den Achslasten einzuhalten. Das ist herausfordernd, aber durch die gute Zusammenarbeit mit Plasser & Theurer für uns gut zu bewältigen. Bei einer klassischen Instandhaltung ist so etwas natürlich kein Thema.

Letztlich ist ein Retrofit, je nach Vorgaben des Kunden, mit einem teilweisen Neubau einer Maschine vergleichbar und deshalb mit einem größeren Arbeitsumfang verbunden, als wir es bei Instandhaltungen und Reparaturen gewohnt sind. Die Kosten für ein Retrofit liegen für den Kunden aber klar unter den Anschaffungskosten für eine neue Maschine.

Welche weiteren Vorteile eines Retrofit sehen Sie?

Neben den bekannten Vorteilen, z.B. Erhalt der Zulassung und Verlängerung der Lebensdauer einer Maschine, erachte ich die Versorgungssicherheit mit Ersatzteilen als sehr wichtig. Gerade bei älteren Komponenten kann diese Versorgung manches Mal herausfordernd sein. Werden solche Schlüsselkomponenten im Zuge eines Retrofit getauscht und modernisiert, bedeutet dies auch eine ganz neue Versorgungssicherheit im Ersatzteilbereich.

Das aktuelle Projekt der Firma Scheuchzer ist aber überhaupt ein sehr gutes Beispiel für den Wert eines Retrofit. Aufgrund verschiedener Umstände werden baugleiche Maschinen heute nicht mehr produziert bzw. würden so keine Zulassung mehr erhalten. Durch ein Retrofit kann deren Lebensdauer unter Aufrechterhaltung der Zulassung nicht nur deutlich verlängert werden, es kann auch die Leistungsfähigkeit und Zuverlässigkeit weiter erhöht werden.

In Leverkusen-Opladen wurden ja bereits einige Retrofits durchgeführt. Warum ist das Instandhaltungswerk besonders gut für Retrofits geeignet?

Unsere Werkshalle ist auf dem neuesten Stand der Technik und verfügt über alle notwendigen Hilfsmittel, wie zum Beispiel Kräne, Hebebühnen, Achssenke und Radsatzwaage. Wir verfügen dort auch über viel Platz, das hilft uns bei der Zerlegung der Maschinen wie auch beim Aufbau der neuen Komponenten, da wir die benötigten Teile im Umfeld der Maschine platzieren können und dadurch die Wege kurzhalten. Darüber hinaus haben wir eine Waschanlage und viele Abstell- und Probegleise. Und, was nicht unterschätzt werden darf, wir liegen sehr zentral und sind aus ganz Deutschland gut erreichbar.

Kommen wir zum Abschluss noch einmal zu Ihnen zurück. Was reizt Sie ganz persönlich an einem Retrofit-Projekt?

Zum einen ist so ein Projekt hochinteressant und eine technische Herausforderung, für die wir individuelle Lösungen entwickeln müssen. Zum anderen ist die Arbeit nur im Team zu bewältigen, das wie ein Getriebe funktionieren muss, in dem jedes noch so kleine Zahnrad in das nächste greift.

Sehr positiv finde ich auch die gute Zusammenarbeit mit Plasser & Theurer. Dies klappt sehr gut und trägt maßgeblich dazu bei, dass der Kunde seine „neue alte Maschine“ so geliefert bekommt, wie er es erwartet.

 

Herzlichen Dank für das Gespräch!

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